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Dreiviertel der Handybesitzer weltweit kommen aus Ländern wie Ghana, Uganda oder Nigeria! Was unglaublich klingt, ist bei näherer Betrachtung gar nicht so abwegig. von Anne Stegmann (22) und Juliane Brosowsky (21)

Vielfach verbindet man Handys im Zusammenhang mit Entwicklungsländern eher mit Kinderarbeit, Ausbeutung und Gewalt, wie zum Beispiel beim Kasseterit-Abbau im Kongo.
Wir allerdings wollen hier die positiven Einflüsse des Handys in Entwicklungsländern näher darstellen. Dazu haben wir uns mit der Frage „Handy als Chancengeber?“ beschäftigt und sind dabei speziell auf das Thema „Das Handy in der Entwicklungshilfe“ eingegangen.

Um einen Einstieg in das Thema zu bekommen, haben wir uns zunächst mit der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) auseinandergesetzt.Die GIZ ist eine staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik Deutschland.

Was macht die GIZ?

Sie entwickelt Lösungen und gestaltet Veränderungen im Auftrag Dritter und wird nie von alleine aktiv.
Wie Bernd Friedrich von der GIZ, mit dem wir ein Interview geführt haben, beschreibt, gibt es in der GIZ zwei Bereiche: „den gemeinnützigen Bereich und das Drittgeschäft (International Services)“.
Die Auftraggeber sind in der Hauptsache das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), aber auch andere öffentliche Institutionen wie zum Beispiel das Auswärtige Amt. Drittgeschäft bedeutet, dass die GIZ im Auftrag von Wirtschaftsunternehmen oder internationalen Organisationen (z.B. Weltbank) handelt.

Aber welche Rolle spielen Handys dabei?

Es gibt zahlreiche Projekte und Möglichkeiten in der Entwicklungshilfe, bei denen das Handy eine zentrale Rolle spielt.
Im Folgenden möchten wir gerne zwei Projekte näher vorstellen.

Wenn hier in Deutschland ein Handy klingelt, handelt es sich bei dem Inhalt einer SMS oft nur um eher belanglose Dinge, wie zum Beispiel „Komme fünf Minuten später“, eine SMS in Afrika dagegen kann überlebenswichtig sein.

Wie kommt das?

Die GIZ unterstützt die Entwicklung eines speziellen Finanzsystems. Hintergrund ist die Tatsache, dass in Entwicklungsländern etwa 60 % der Bevölkerung kein Bankkonto besitzen. Allerdings verfügen etwa 50% dieser Menschen über ein Mobiltelefon.
Dies macht sich zum Beispiel das von Safaricom angebotene System „M-Pesa“ in Kenia zu Nutze, da Kenia zu einem der Länder gehört, in dem das Bankensystem schlecht ausgebaut ist.
Es bietet die Möglichkeit das Handy als mobile Bank und Überweisungsträger zu nutzen.
Das Ganze funktioniert so:
Um eine „Überweisung“ anzuweisen, geht man in ein Safaricom-Geschäft und zahlt Geld ein. Dieses wird dann als „Mobilgeld“ auf einem virtuellen Konto angerechnet. Die gewünschte Summe kann dann via SMS und mit einem persönlichen Code versehen verschickt werden. Dieser Vorgang ist für die Nutzer nicht ganz kostenlos, aber mit umgerechnet 1,90 € Gebühren im Vergleich zu anderen Finanzdiensten sehr günstig.
Übermittelt werden können bis zu 35.000 kenianische Schilling (390€), allerdings können nie mehr als 50.000 Schilling auf einem virtuellen Konto liegen.
Nachdem der Empfänger die SMS mit der Summe und dem Code erhalten hat, muss er sich in Safaricom-Geschäft begeben. Dort bekommt er das Geld dann ausgezahlt.
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Durch diesen Weg Geld zu überweisen, bekommen die Menschen dieses sehr schnell und sicher, was entscheidend für das Überleben sein kann.

Aufgrund des, besonders in ländlichen Regionen, schlecht ausgebauten Bankensystems ist es für die Menschen dort leichter, ein Handy zu bekommen als ein Zugang zu einer Bank und damit einem Bankkonto. In Folge dessen abonnieren täglich mehr als 1000 Menschen diesen Dienst neu.

Somit hat Safaricom eine Möglichkeit geschaffen, mehr Menschen einen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu gewähren.
Dies ist ein großer Schritt in der Entwicklungshilfe, da genau dieses Angebot ein wesentliches Mittel ist, um Armut in Kenia zu bekämpfen

Anders als bei dem bereits beschriebenen Projekt, setzt das Folgende einen Schritt vorher an.

In welchem Alter hast DU das erste Mal mit einem Handy telefoniert?

Also, wir waren etwa 13 Jahre alt.
In weiten Teilen Afrikas haben Menschen in unserem Alter zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht mal eins gesehen, geschweige denn in den Händen gehalten.

Dies wird sich in Zukunft ändern, durch das Gemeinschaftsprojekt „Village Phones“, welches unter anderem von NOKIA unterstützt wird.
Das Ziel dieses Projektes ist es, Telekommunikationsnetze in ländlichen Gebieten aufzubauen und damit verbunden Existenzgründungen zu fördern.
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In Mpigi, ein Ort in Uganda (800 Einwohner), beispielsweise gibt es einen Schreibwarenhändler, der über ein Handy verfügt. Dieses kann von den Einwohnern des Ortes ähnlich wie eine Telefonzelle genutzt werden.
Möglich ist das durch ein Mikrofinanzierungsmodell. In Mpigi konnte sich der Schreibwarenhändler sein Handy nur dadurch leisten. Er musste seine Kreditwürdigkeit mittels Kleinkrediten in Höhe von circa 10 Dollar beweisen. Nach einem gewissen Zeitraum, in dem er eine kontinuierliche Zahlungsmoral vorweisen konnte, hat er einen „großen Kredit“ in Höhe von 200 US Dollar erhalten. Mit diesem konnte er ein Mobilfunkpaket erwerben. Dieses beinhaltet ein vergünstigtes Handy, eine Antenne für erweiterten Empfang sowie ein Zeitguthaben, welches er zu festgelegten Preisen weiterverkauft. Dabei erhält der Schreibwarenhändler als Kreditnehmer einen Anteil von 30 % pro Gespräch.
Die Dorfbewohner haben dadurch die Möglichkeit einen Zugang zu einem Handy zu erhalten und vielleicht das erste Mal in ihrem Leben zu telefonieren.
Der „Village Phone“-Tarif beträgt 13 Cent pro Minute und ist damit ¼ günstiger als gewöhnliche Mobilfunkanbieter.

Dieses Projekt bietet also zum einen die Möglichkeit zur Existenzgründung, indem Kredite an Menschen vergeben werden, die normalerweise keinen bekommen würden.So kann zum Beispiel der erwähnte Schreibwarenhändler den Lebensunterhalt für seine Familie sichern und sogar seine Kinder in die Schule schicken.
Zum anderen verbessert sich die Lebensqualität der Nutzer. Zum Beispiel haben sie so, neben dem einfachen Telefonieren, die Möglichkeit telefonisch und via MMS medizinische Diagnosen und Ratschläge einzuholen oder die Versorgung mit Medikamenten abzustimmen.
Außerdem haben die Bewohner von Dörfern mit einem „Village Phone“ nun die Möglichkeit, die Überweisung von Geld per SMS anzuweisen, wie wir bereits beim ersten vorgestellten Projekt beschrieben haben.
Das „Village Phone“-Projekt ist also ein großer Schritt in der Entwicklungshilfe, da es nachhaltig angelegt ist. Möglich wird das auch dadurch, dass die Unterstützer des Projekts (NOKIA u.a.) zugunsten der Hilfebedürftigen auf Teile ihres Gewinns verzichten.

Was zeigen uns diese Hilfsprojekte?

Diese Projekte machen deutlich, dass das Handy eine Art Entwicklungsmotor darstellt, da es für Menschen in Entwicklungsländern wesentlich erschwinglicher ist, als beispielsweise ein Computer. Zudem verbraucht es  weniger Strom und ist damit universeller einsetzbar. Es ist in der Lage schlechte Infrastruktur und große Entfernungen zu überbrücken.

Bernd Friedrich von der GIZ fasst die Situation und die Bedeutung des Handys in der Zukunft der Entwicklungshilfe wie folgt zusammen:
„Verfügbare und erschwingliche Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und die darauf basierenden Dienste und Anwendungen haben und werden, wie auch in entwickelten Ländern, das Leben der Menschen in Entwicklungsländern zunehmend und drastisch ändern und sie sozial und ökonomisch in das Weltgeschehen integrieren.“

Erscheint es jetzt verständlicher, warum ¾ der Handybesitzer aus Ländern wie Ghana, Uganda und Nigeria kommen?

Dieses Thema wird auch dem sehr interessanten und ausfühlichen Radiobeitrag “Digitale Kluft – Wie das Handy Afrika erobert” des Bayrischen Rundfunks aufgegriffen, der in der ARD-Mediathek veröffentlicht wurde.

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