Foto: tantrum_dan / www.flickr.com
Daniel bekam im Flur einen Zettel von seinem Sohn in die Hand gedrückt. Daraufhin folgte er ihm in sein Zimmer und fragte: „Willst du etwa schon wieder ein neues Handy?“ Eine Kurzgeschichte von Evelyn W.

„Erstens ist es ein Smartphone und zweitens ja.“
„Vergiss es.“, kam es nur von Daniel, welcher den Zettel zerknüllte und in den Papierkorb warf.
„Warum nicht? Du kaufst mir doch sonst immer neue Sachen!“, rief Sören irritiert aus.
„Du hast doch schon ein neues Handy.„
„Smartphone!“, unterbrach Sören seinen Vater.
„Ist doch egal.“, gab sein Vater zurück.
„Nein, ist es nicht.“ maulte Sören und rutschte tiefer in seinen Sessel.
„So smart ist das gar nicht.“ Daniel setzte sich in den anderen Sessel, seinem Sohn gegenüber. „Jedenfalls hast du dein SMARTPHONE gerade mal ein halbes Jahr. Du bekommst jetzt kein neues. Basta. Außerdem würde das neue eh nicht besser sein. Nur anders aussehen.“
„Das stimmt ja gar nicht!“, entfuhr es Sören „Das ist viel besser!“ Durch Sörens Ausbruch wurden seine Schwestern Alina und Karin animiert mal vorbeizuschauen. „Was schreist du hier so rum?“, fragte Karin genervt und stellte sich neben ihren Vater. „Ja, was hast du schon wieder für Probleme?“, harkte Alina schnippisch nach und gesellte sich ebenfalls zu ihrem Vater.
„Verschwindet, das geht euch nichts an.“ Sören war sichtlich genervt und fühlte sich unwohl.
„Wie würdest du wohl in einer Zeit auskommen, in der es keine Handys und keine Smartphones gibt?“, fragte Daniel seinen Sohn nachdenklich.
„So eine Zeit gab es?“, fragte Sören seinen Vater überrascht.
„Bist du so blöd oder tust du nur so?“, fragte Alina.
„Womit sollen die Steinzeitmenschen denn telefoniert haben? Mit Steinen?“, fragte Karin entrüstet.
„Keine Ahnung.“, gab Sören nur kleinlaut zurück.

Die Geschichte des Mobiltelefons

„Also“, begann Daniel „ich erzähle euch nun die Geschichte eines kleinen Dinges namens Handy beziehungsweise Smartphone.“
„Muss das sein?“, fragte Sören genervt. „Ich will jetzt lernen.“
„Als ob. Wann wurde das Handy oder Smartphone erfunden? Reden wir mal vom Mobiltelefon.“ Daniel blickte seinen Sohn auffordernd.
„Im Ernst, Papa? Das weiß Sören doch nicht! Der denkt die Steinzeitmenschen haben mit Steinen telefoniert.“, kam es lachend von Alina.
„Ja, Papa. Der denkt bestimmt, dass die mit einem Feuerzeug ihr Mammutfleisch geräuchert haben.“, warf Karin kichernd ein.
„seid still!“, schnauzte Sören seine Schwestern an.
„Schluss jetzt!“, unterbrach Daniel seine Kinder. „Das erste Mobiltelefon wurde 1926 von der Reichsbahn in der ersten Klasse ihrer Züge angeboten.“
„Wieso weißt du sowas?„, setzte Sören an.
„Ich habe bei D-NEY* gearbeitet und bin deswegen gut über Mobiltelefone informiert.“
“Warum arbeitest du da eigentlich nicht mehr?“, fragte Alina.
„Später, Alina.“, sagte Daniel und fuhr fort: „Die ersten verwendbaren Autotelefone gab es 1958.“
„Konnte man die nur im Auto verwenden?“, fragte Karin.
„Ja, die waren wie Festnetztelefone im Auto mit verbaut.“
„Also waren das gar keine Mobiltelefone.“, warf Sören spöttisch ein.
Daniel achtete nicht auf den Kommentar. „ In Österreich gab es 1974 das B-Netz, und ich weiß jetzt nicht, was das ist, und dort wurde automatisch vermittelt. Aber man musst einen festen und bekannten Standort haben. Ein Jahr später wurde das Nationale Schweizer Autotelefonnetz in der Schweiz eingeführt.“
„Ja, wo denn auch sonst?“, kam es von Sören.
„Und du denkst, die Steinzeitmenschen haben mit Steinen geredet und Felsen als ihr Festnetz angesehen.“, konterte Daniel grinsend. Daraufhin lachten die Zwillingsschwestern.
„Hört auf zu lachen!“ Sören wurde langsam sauer.
„Ganz ruhig.“, beschwichtigte Daniel „Wir machen doch nur Spaß. Jedenfalls gab es dann ab 1985 das analoge C-Netz und dafür mussten die Leute dann mit Mobiltelefonen in Kofferform durch die Gegend laufen. Ende der 80er beziehungsweise Anfang der 90er gab es dann das digitale Mobilfunknetz, das D-Netz. Die Geräte waren dann auch kleiner. Die Geräte haben sich halt immer weiter entwickelt.“
„Aha.“, gab Sören desinteressiert von sich und nahm seine Kopfhörer.
„Es gab Mobiltelefone mit Antennen und diese waren riesig.“, sagte Daniel, um seinen Sohn für sich zu gewinnen. Doch Sören setzte seine Kopfhörer auf. Diese Idee war also fehlgeschlagen.
„Aber die waren früher doch voll klein.“, kam es von Karin.
„Ja, zu deiner Zeit. Als du noch jung warst.“, antwortete Daniel. „als ich in eurem Alter war, hieß es ‚Je kleiner desto cooler.‘“
„Heute ist es genau andersrum. Je größer, desto besser.“, sagte Alina darauf.

Prolog

“Ich will trotzdem das neue D-NEY*-Smartphone. Es ist größer. Und hat coolere Funktionen.“
„Nur weil es größer ist, vielleicht zwei Millimeter oder so, musst du kein neues Handy haben.“, protestierte Alina. „Außerdem sind wir erst mal dran. Ich habe meins jetzt schon drei Jahre.“
„Ja, die haben noch Tasten!“, rief Karin aus.
„Ja, erst mal seid ihr dran. Außerdem“, Sören blickte seinen Sohn an „hast du dieses Jahr schon vier neue PC-Spiele und andere Sachen bekommen. Dabei haben wir erst März.“
Dann kauf‘ ich es mir halt selber.“
„Du bist doch viel im Netz unterwegs, nicht wahr mein Sohn?“, fragte Daniel seinen Sohn.
„Ja, na und?“, gab dieser nur trotzig zurück.
„Du solltest dir mal den Blog ‚handhelden.wordpress.org‘ ansehen.“, antwortete Daniel gewissenhaft. Daraufhin sah Sören ihn fragend an. „Guck einfach mal nach.“, fügte Daniel hinzu, nahm Zettel und Stift vom Fußboden und notierte die Internetadresse.
„Worum geht es da?“, fragte Karin interessiert.
„Guckt einfach mal nach.“ Damit ließ Daniel seine Kinder allein im Zimmer seines Sohnes zurück.

Doch dies sollte nicht das einzige Gespräch an diesem Tag bleiben.
Das nächste Gespräch wartet hier

*fiktiver Mobilfunkanbieter

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